Eines Tages stellte ich fest, dass mein Armband, das ich von meinen Kindern zum Muttertag geschenkt bekommen habe, fehlte. Ich suchte es in allen Winkeln unseres Hauses und im Garten, aber es blieb unauffindbar – wahrscheinlich habe ich es während der Gartenarbeit verloren. Dieses Armband war mir wichtig, nicht nur weil es ein Geschenk meiner Kinder war, sondern weil ich mich daran gewöhnt hatte, es öfters am Tag berührte und dabei an sie dachte. Nun war es nicht mehr da und mir fehlte etwas.

Wie oft kommt es im Leben vor, dass wir erst dann etwas vermissen, wenn es nicht mehr da ist – und zuvor haben wir es wenig, oder gar nicht beachtet. Materielle Dinge sind ersetzbar, aber wenn die Gesundheit fehlt, ist das ein viel stärkerer Einschnitt in unser Leben. Wir verschwenden keinen Gedanken daran, wenn es uns gut geht – die Gesundheit erachten wir meist als selbstverständlich.

Auch das Singen im Chor war fast schon zur Routine geworden, aber manchmal musste ich mich überwinden nach einem anstrengenden Arbeitstag zur Probe zu gehen. Doch während des gemeinsamen Gesanges hat sich der Stress gelegt und viele Probleme von selber gelöst. Man sagt ja: „Singen ist Balsam für die Seele“, oder „wer singt betet doppelt“. Und heute muss ich mir eingestehen, wie sehr ich dieses gemeinsame Singen und meine Chorfreunde vermisse.

Wenn etwas fehlt ist es nicht ganz, es ist nicht komplett, es klafft ein Loch, es bleibt eine Wunde. Was ist wenn der Glaube fehlt – der Glaube an Gott? In einem Gespräch hat mir jemand gesagt, dass der Glaube an Gott nur etwas für alte Menschen sei, quasi eine Beruhigungspille: „Wenn du stirbst wartet Gott im Himmel auf dich.“ Heißt das, um zu glauben muss man alt sein? Ist für junge Menschen der Glaube, der Besuch des

Gottesdienstes uncool? Junge Menschen gehen in Konzerte, um ihre IdoIe zu sehen und live zu erleben. Was ist in der Kirche anders? Muss sie attraktiver, aktionsreicher für die Jugendlichen werden? Für mich ist die Kirche ein Kraftplatz – meine Energiequelle. Interessant ist auch, dass viele Manager, aber auch junge Menschen nach einem Burnout, die Auszeit in einem Kloster für sich entdecken und dort bewusst die Ruhe und das Spirituelle suchen.

Ich denke, der Samen des Göttlichen ist in jedem von uns eingepflanzt. Beim Einen trägt er früher Früchte – beim Anderen später. Gott ist wie ein Gärtner, der nicht aufgibt. Er pflegt den Samen mit Sorgfalt, versorgt das zarte Pflänzchen mit Hingabe, sieht ihm beim Wachsen zu, beschützt und umhegt es liebevoll und geduldig. Er gibt uns nicht auf, so wie der Vater beim Gleichnis mit dem verlorenen Sohn. Einer der Söhne wollte die Welt sehen, sein Leben genießen bis er feststellen musste, dass ihn seine „Freunde“ verlassen hatten, als ihm das Geld ausgegangen war. Er kam zur Einsicht, dass es den Dienern im Hause seines Vaters besser erging, als ihm in dieser Situation, und er beschloss nach Hause zurückzukehren. Dort wurde er vom Vater mit offenen Armen, ja sogar mit einem Fest empfangen. Er hat begriffen, dass die Liebe seines Vaters niemals endet und er immer einen Platz in seinem Elternhaus haben wird.

Verlorengehen und Wiederfinden – Güte und Barmherzigkeit – Glaube und Vertrauen, fallen mir zu diesem Gleichnis ein.

Passt der Glaube an Gott noch in unser Weltbild? Ich meine ja, denn wenn ich die Welt um mich herum betrachte, die Natur, die Tiere, die Menschen – ist für mich offensichtlich, dass da nur eine höhere Macht im Spiel sein kann! Ich nenne sie Gott – und wie nennst du sie?

Mittlerweile habe ich zwei Armbänder von meinen Lieben geschenkt bekommen, eines mit einem Kreuz, ein zweites mit einem Herz – „Glaube und Liebe,“ wie wunderbar.

Ich habe sie an meinem Handgelenk und trage somit meinen Glauben, meine Liebe, in die Welt, und wenn ich dann noch in der Gemeinschaft singen darf, ist für mich alles perfekt.

Glaube, Gott, die Welt und wir – untrennbar miteinander verschmolzen – wie ein Regenbogen der sich vom Himmel auf die Erde spannt.