Kaum ist Weihnachten vorbei ist auch Schluss mit der Beschaulichkeit. Nur der vorweihnachtliche Stress ist geblieben: Geschenke aussuchen, Vorbereitungen für ein festliches Menü treffen inklusive von Laufen von Geschäft zu Geschäft und Supermarkt zu Supermarkt, Christbaum aufputzen, ungeduldige Kinder bei Laune halten, Weihnachtslieder üben.

Der Chor der Engel ist in all dem Trubel kaum zu hören. Vielleicht gibt es wirklich noch leuchtende Kinderaugen beim Anblick des mit Kerzen bestückten, geschmückten Baumes. Vielleicht aber rollen auch Tränen, weil die Schuhe, die Jeans oder die Jacke die falsche Marke tragen oder das Computerspiel nicht dem letzten Stand der Begierde entspricht. Endlich ist (scheinbar) alles überstanden!

Ein wenig trauern wir noch dem Weihnachten, „wie es früher einmal war“ nach und dem Bethlehem, das uns aus der Bibel, den Weihnachtsgeschichten und Legenden vertraut ist: ein wenig „Mitleid“ (= Herbergsuche), eine ruhige Atmosphäre (= Stall), Jubel der Engelchöre nach der Geburt, Hirtenszene etc.

Auf uns wartet schon die nächste „Herausforderung“: Geschenke müssen umgetauscht, Gutscheine eingelöst werden. Der Jahreswechsel mit Silvesterprogramm muss geplant werden. Glücksbringer aus Schokolade und Marzipan müssen besorgt werden. Auch ein kleines oder größeres Feuerwerk darf nicht fehlen: Knallfrösche, Raketen, Böller abgeschossen werden. Spaß musss sein, auch wenn alte Menschen, Kranke oder Tiere darunter leiden. Auch ältere Semester lassen sich von dieser Unsitte, die beschönigend als Tradition verstanden wird, anstecken. Gleich darauf bricht das Maximum an Jux und Tollerei aus: der Fasching.

Doch war alles wirklich so beschaulich, wie wir es uns vorstellen?

Bethlehem, eine verhältnismäßig kleine Stadt, die nun für wenige Tage der Volkszählung völlig überlaufen ist – wie bei einer Großveranstaltung unserer Zeit: Alle Hotels, Pensionen und Privatzimmer sind ausgebucht. Der in den Krippenspielen stets so böse dargestellte Wirt hat schlicht und einfach keine freien Zimmer mehr. Josef und die hochschwangere Maria hatten offenbar die Länge der Strecke und die Strapazen der Reise unterschätzt. So landeten sie in einem Stall oder einem Viehunterstand am Rande der Stadt. Von der Geburt selbst erfahren wir nichts, aber sie dürfte problemlos gewesen sein, denn Mutter und Kind werden (unmittelbar?) nachher von Hirten, die von Engeln über das Ereignis informiert wurden, aufgesucht, und sie bringen auch gleich Geschenke mit.

Weitere (hochgestellte) Gäste langen ein – mit wertvollen Gaben.

Doch dieses erhabene, so friedliche Szenario hält nicht lange. König Herodes fürchtet die Konkurrenz. Sein grausamer Entschluss, alle Kinder unter zwei Jahren (sicherheitshalber) töten zu lassen, lässt wieder Engel eingreifen, die die kleine Familie zur Flucht nach Ägypten auffordern (apokryph).

Heutzutage gehören Engel nicht mehr zu unserem Alltag. Vielleicht erzählt man noch Kindern, dass sie einen Schutzengel haben und möchte auch selbst daran glauben. So wenig wie wir ihren Gesang noch hören, scheinen sie auch nicht mehr in unser Leben einzugreifen. Sind sie noch Bindeglied zwischen Gott und uns? Helfen sie uns in schwierigen Situationen? Sind sie Übermittler von Gottes Botschaften, wie es im Alten und im Neuen Testament berichtet wird?

Dafür gibt es keinen Garantieschein, doch wir können darauf vertrauen, dass uns Gott nicht im Stich lässt und Engel auch im größten Trubel nach dem Willen des uns liebenden Gottes zur Seite stehen.

ame, 4. Jänner 2023