Brannte nicht unser Herz …
Wenn ich sage, „im Alter geht alles langsamer, nur die Zeit vergeht schneller“, so spreche ich aus eigener Erfahrung. Auch die Gefühlslandschaft ist gemäßigter als in jungen Jahren. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – diese Regungen treten nur mehr selten auf, alles ist gemäßigter, ausgeglichener.
Es scheint mir, das trifft auch auf unsere Spiritualität zu.
Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1960. Ich durfte mit einer kleinen Gruppe der Mittelschuljugend unter der Leitung unseres Seelsorgers P. Nostitz zum in München stattfindenden Eucharistischen Weltkongress fahren. Was für ein Erlebnis! Wir waren in einem Kloster nahe München untergebracht dessen Schwestern uns aufs Beste versorgten, wir durften die Stadt erkunden, es waren wunderschöne Tage, die jeweils durch eine Abendandacht abgeschlossen wurden. Trotz dieser „Wohlfühlzeit“ fieberten wir dem kommenden Höhepunkt entgegen: der gemeinsamen Messe im Stadion. Wir erwarteten viel, aber all unsere Vorstellungen wurden von der Realität übertroffen. Die riesige Menge vor allem junger Menschen, der unter einem Baldachin aufgebaute Altar, die gemeinsamen Gebete, die, so schien es uns, direkt zum Himmel aufstiegen – da brannten unsere Herzen, da waren die Scharen von Gläubigen eins im Gebet und wir spürten etwas tief in uns, dort wo Körper und Seele eins sind.
Ich erinnere mich auch an die Messen in der Kapelle der KHJ in Wien. Wir feierten die Messen aufrecht stehend, voll Ehrfurcht vor dem großen Geheimnis der Eucharistie und zugleich mit großer Begeisterung.
Im Alter ist diese Flamme kleiner geworden, lodert nicht mehr so hell. Doch wir dürfen nicht zulassen, dass sie völlig erlischt. Wenn wir uns beruhigen wollen, weil wir sonntags nicht in die Messe gehen, haben wir schnell eine Ausrede zur Hand, z. ..b. „Man ist kein besserer Christ, wenn man regelmäßig die Messe besucht“ oder „Ich kann auch zu Hause beten“ u. ä.
Es ist schon wahr: Gott ist immer bei uns, aber sind wir auch bei Gott? Vielleicht ist es wirklich nicht von Bedeutung, ob wir regelmäßig mit der Gemeinschaft Gottesdienst feiern, doch wir sollten den brennenden Wunsch verspüren teilzunehmen.
ame